Momo 

Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war zuhören. Das ist nichts Besonderes, wird nun vielleicht mancher Leser sagen, zuhören kann doch jeder. Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur ganz wenige Menschen. Und so wie Momo sich aufs Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig. Momo konnte so zuhören, dass den Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Dabei schaute sie den anderen mit aller Aufmerksamkeit und Anteilnahme an und der Betreffende fühlte, wie in ihm auf einmal Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, dass sie in ihm steckten. Sie konnte so zuhören, dass rastlose oder unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten. Oder dass Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. Oder dass Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden. Und wenn jemand meinte, sein Leben sei ganz verfehlt und bedeutungslos und er selbst nur irgendeiner unter Millionen, auf den es überhaupt nicht ankommt und der ebenso schnell ersetzt werden kann wie ein kaputter Topf - und er ging hin und erzählte alles der kleinen Momo, dann wurde ihm noch während er redete auf geheimnisvolle Weise klar, dass er sich gründlich irrte, dass es ihn genauso wie er war, unter allen Menschen nur ein einziges Mal gab und dass er deshalb auf besondere Weise für die Welt wichtig war. So konnte Momo zuhören!          aus Momo von Michael Ende

 

Ein Traum - Die beiden Seiten

Ein Mensch liegt im Krankenhaus und findet keinen Schlaf. Viele sorgenvollen Gedanken gehen ihm durch den Kopf. Wie wird es mit mir weitergehen? Alle meine Pläne sind durchkreuzt. Was mir begegnet, kommt mir so sinnlos vor. Gegen morgen fallen ihm dann doch die Augen zu. Da hat er einen Traum:

Er ist in einem grossen orientalischen Basar. Überall hängen Teppiche, aber sie sehen seltsam aus. Die Fäden laufen kreuz und quer, nirgends ist ein sinnvolles Muster zu erkennen. Da fragt er den Teppichhändler: Was hast du denn da für Teppiche? Die sehen ja abscheulich aus. Nie würde ich einen davon kaufen! Der Händler sagt: Nimm einen Teppich in die Hand und dreh in um! Und wie er ihn umdreht, sieht er, dass die bunten Fäden auf der anderen Seite ein wunderschönes Bild ergeben. Und er hört, wie der Händler ihm sagt: So ist es auch mit deinem Leben. Was dir kraus und wirr vorkommt, durcheinander und ohne Sinn, das ist nur die Seite deines Lebens, wie du sie bis jetzt gesehen hast. Aber wenn du willst, kannst du erkennen, dass diese krausen und wirren Fäden ein klares und geordnetes Muster bilden und dass auch die rätselhaften und bitteren Zeiten einen Sinn hatten - du siehst die ganze Schönheit deines Lebensteppichs.

nach Romano Guardini

 

Was hinter uns liegt,

 

und was vor uns liegt,

 

sind Winzigkeiten im Vergleich

 

zu dem, was in uns liegt.

 

Oliver Wendell Holmes

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Ursula Zeller-Schickli